Ziekenhuizen behandelen minder patiënten

16-08/2018

Krankenhaus-Report: Kliniken behandeln weniger Patienten

Krankenhausreport: Kliniken behandeln weniger Patienten
Behandlungen in Kliniken gehen zurück. (Archiv) Foto: picture alliance / dpa/Peter Steffen

Berlin Der Mangel an Pflegekräften macht sich bereits in rückläufigen Krankenhausfällen bemerkbar. Krankenkassen wie die Barmer Ersatzkasse fordern eine stärkere Zentralisierung der Klinik-Leistungen.

Von Birgit Marschall
 

Obwohl die Deutschen im Durchschnitt immer älter werden, ist die Zahl der Krankenhausfälle im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Pro 1000 Versicherte mussten im vergangenen Jahr nur noch 214 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, im Jahr davor waren es noch knapp 217. Auch die Zahl der Krankenhaustage war im letzten Jahr leicht rückläufig, obwohl die Alterung der Gesellschaft eigentlich eine Steigerung der Krankheitsfälle erwarten ließ. Das zeigt der neue Krankenhausreport der zweitgrößten deutschen Krankenversicherung, der Barmer Ersatzkasse.

Über die Ursachen des Rückgangs rätseln die Experten von der Krankenkasse noch, doch sie stellen nachvollziehbare Vermutungen an: Wegen des zunehmenden Mangels an Pflegekräften sind die Kliniken gezwungen, einzelne Stationen zu schließen und sie mit anderen zu fusionieren. Zudem werden Kliniken auch dafür finanziell bestraft, wenn die Zahl der Krankenhausfälle die Planungen übersteigt. Ein weiterer Grund für den Rückgang der Klinikbehandlungen könnte der Anstieg der ambulanten Behandlungen in den Krankenhäusern sein: Auch das bindet Kräfte, die in der Klinik dann an anderer Stelle nicht zur Verfügung stehen. Das Krankenhaus kann dann weniger stationäre Behandlungen durchführen.

„Es werden Stationen stillgelegt, weil einfach das Personal fehlt“, berichtete Barmer-Chef Christoph Straub bei der Vorstellung des Krankenhausreports. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe zwar mittlerweile das Pflegepersonalstärkungs-Gesetz vorgelegt, mit dem die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern gesteigert werden solle. Die Branche unterstützt diese Initiative weitgehend, doch werde auch ein „Kannibalisierungseffekt“ unter den verschiedenen Bereichen befürchtet, so Straub: Wenn mehr Pflegekräfte in der Grund- und Regelversorgung der Krankenhäuser eingesetzt würden, fehlten sie künftig in anderen Bereichen, etwa auf den Intensivstationen.

„Es wird in den kommenden Jahren einen Kampf um junge Fachkräfte geben“, sagte Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. „Das Gesundheitswesen muss schlichtweg attraktiver werden.“ Denn auch das Handwerk und die Industrie buhlen um gute Fachkräfte. Bezahlung und Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen müssten besser werden.

Der Pflegenotstand ist ein Schwerpunktthema der Bundesregierung. Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen fehlen hierzulande mindestens 35.000 Pflegekräfte. In der Altenpflege sind rund 23.000 Stellen offen, in der Krankenpflege fehlen mehr als 12.000 Fachkräfte und Helfer. Experten gehen teilweise von einem weitaus höheren Bedarf aus.

Trotz der Anstrengungen, die Zahl der Pflegekräfte zu erhöhen, wächst sie in den Krankenhäusern bisher aber nur langsam. 2017 versorgten 328.500 Vollkräfte die knapp 19,5 Millionen stationär in Kliniken behandelten Fälle, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das waren ein Prozent beziehungsweise 3400 Pflegevollkräfte mehr als im Jahr zuvor.

(Quelle: Rheinische Post, 10. August 2018)