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Grenzenlos gegen den Schlaganfall

14-06/2019

Es ist ein Vertrag, auf den die Protagonisten der Föhrenbachklinik beinahe ehrfürchtig blicken. Zehn Seiten lang ist das Werk, in dem jahrelange Arbeit über Grenzen hinweg schwarz auf weiß manifestiert wird. „Das ist ein Meilenstein, ein Durchbruch für uns“, sagt Dr. Frank Erik de Leeuw. Er ist Neurologe an der Radbouduniversitätsklinik und einer der größten Verfechter der Zusammenarbeit mit der Föhrenbachklinik in Bedburg-Hau.

Die beinhaltet die Vereinbarung, dass Schlaganfallpatienten, die im Kreis Kleve behandelt werden, in Notfallsituationen auch von modernen Behandlungsmethoden in den Niederlanden profitieren können. „Bei Schlaganfällen zählt jede Minute. Daher handelt es sich hierbei um eine lebenserhaltende Kooperation“, sagt Chefarzt Dr. Christoph Baumsteiger. Schon seit 2009 hat sich diese Praxis im Grenzland bewährt. Sind also die Niederländer bei der Behandlung bestimmter Symptome des Hirnschlags besser ausgerüstet, können Kreis Klever Patienten unbürokratisch in Nimwegen unterkommen. Der Vorteil: Während sogar, so sagt es Stephan Lahr, kaufmännischer Direktor der LVR-Klinik, Krankenwagen trotz Blaulicht bis zu eine Stunde für den Transport eines Patienten zur Spezialklinik in Düsseldorf, Krefeld oder Essen brauchen, sei man in knapp 22 Minuten in Nimwegen. Das gelte zumindest für Patienten aus dem Nordkreis. „Jemand aus Wachtendonk ist natürlich schneller in Krefeld“, sagt Baumsteiger. „Man sagt bei Schlaganfall-Patienten häufig auch: Zeit ist Gehirn. Daher müssen wir Hand in Hand arbeiten“, sagt de Leeuw.

Baumsteiger illustriert die Vorteile der Kooperation an einem Beispiel: der Drip-and-Ship-Methode. Dabei kommen Schlaganfallpatienten zunächst in ein regionales Zentrum, in diesem Fall die Föhrenbachklinik. Stellen die Ärzte dort einen großen Gefäßverschluss fest, der mechanisch entfernt werden sollte, beginnen sie mit blutverdünnenden Maßnahmen („drip“) und veranlassen den Transport („ship“) in eine Klinik mit Thrombektomie-Expertise, in diesem Fall die Radboud-Klinik. Im Gegenzug soll die Kompetenz und die Erfahrung der Föhrenbachklinik den niederländischen Kollegen zugutekommen.

Auch hätten, so Baumsteiger, deutsche Patienten, die beispielsweise nach Kopfverletzungen eine Spezialbehandlung in der Radboud erhalten haben, die Möglichkeit einer raschen Verlegung in die neurologische Rehabilitation in der Föhrenbachklinik. Dennoch weisen die Vertragspartner darauf hin, dass die Zusammenarbeit bereits seit 2009 existiert. Nur wurde diese nun auch verschriftlicht und festgehalten, welche Arbeitsschritte von wem wann ausgeführt werden. Zukünftig sollen auch Hauptamtliche sich der Vernetzung der beiden Kliniken annehmen. Für diese und weitere technische Ausstattung im Kampf gegen Schlaganfälle wolle das Ärzteteam einen Antrag auf Interreg-Fördermittel stellen, sagt Baumgarten. Eher unwahrscheinlich ist aktuell, dass auch niederländische Patienten nach Deutschland verbracht werden. „Die Patienten wollen meist eine gewohnte Sprache sprechen und eine bekannte Umgebung sehen“, sagt van de Leeuw.

(von Maarten Oversteegen, Quelle: RP Online, 21.05.20190)