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NRW schließt weniger Kliniken

08-12/2020

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, die Corona-Pandemie habe deutlich gezeigt, dass für den Ernstfall ein gut funktionierendes Gesundheitssystem gebraucht werde. Dazu gehöre auch, dass über das Land verteilt genügend Intensivbetten zur Verfügung stünden. Dies werde auch bei der neuen Planung berücksichtigt.

 

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sollten in der der Modellregion Köln/Leverkusen künftig durch eine Neustrukturierung nur noch 14 statt aktuell 38 Kliniken benötigt werden. Überlegungen für Standortschließungen werden aber aktuell nicht angestellt. Wie Laumann sagte, sei er der Meinung, dass 90 Prozent der Menschen in NRW innerhalb von 20 Minuten ein Krankenhaus erreichen können sollten.

 

In den 2019 vorgestellten Krankenhausplänen der Landesregierung lag dieser Zielwert noch bei 30 Minuten. Die neue Berechnungsgrundlage lässt davon ausgehen, dass mehr Standorte erhalten bleiben. Laut den Aussagen des NRW-Gesundheitsministers brauche es sowohl eine gute Basisversorgung als auch Spezialisierungen. Trotz der angestrebten Refom müsse sichergestellt werden, dass für jeden Bürger weiterhin ein Krankenhaus mit Notfallversorgung "in zumutbarer Entfernung erreichen" zur Verfügung steht.

Aktuell gibt es in NRW 5471 Intensivbetten mit einer Beatmungsmöglichkeit, von denen momentan 85,1 Prozent belegt sind. Für Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW, ist das zentrale Qualitätsmerkmal des Gesundheitswesens der flächendeckende Zugang zur medizinischen Versorgung. Laut Brink haben hierbei ländliche und kleinere Kliniken eine wichtige Funktion, da diese sich um die Versorgung von Verletzten, um chirurgische Eingriffe, die Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten, Stoffwechselstörungen und Lungenentzündungen kümmerten. In der Pandemie habe sich gezeigt, dass zentralisierte Systeme wie in den Niederlanden schnell an ihre Grenzen kommen. NRW sei diesbezüglich besser aufgestellt. 354 Kliniken gibt es aktuell in NRW.

 

Matthias Mohrmann, Vorstand der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg, sagte der Zeitung, dass die Pandemie gezeigt habe, dass sich Krankenhäuser in NRW stärker spezialisieren müssten. Nur dort, wo notwendige Expertise vorhanden ist, sollten hochkomplexe Behandlungen auch durchgeführt werden. Laut Mohrmann sollten Covid-Patienten, die über einen längeren Zeitraum beatmet werden müssen, beispielsweise nur auf Stationen mit ausreichend Routine im Umgang mit der Therapie behandelt werden. Des Weiteren merkte Mohrmann an, dass kleinere Kliniken auch neue Aufgaben übernehmen könnten. So könne sichergestellt werden, dass auch Patienten in ländlichen Räumen adäquat versorgt werden könnten.