2

Psychische Vulnerabilität und die Bedeutung der Prävention

21-07/2021

Über diesen Link können Sie die Aufnahme des Webinars anschauen.

 

In nahezu allen westlichen Ländern sehen wir einen Anstieg der Nachfrage an Hilfe für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen. Obwohl sich die Versorgung in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat, bleibt der Druck auf die Gesundheitsversorgung hoch. Die psychische Vulnerabilität (p-Faktor) spielt eine wichtige Rolle bei diesem wachsenden Pflegedruck. Dieser p-Faktor ist wie eine Normalkurve verteilt. Es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die wenig oder keine Erfahrung mit psychischer Anfälligkeit haben. Aber es gibt auf der anderen Seite auch eine kleine Gruppe von Menschen, die psychisch extrem anfällig ist. Die größte Gruppe liegt jedoch dazwischen. Dabei ist der individuelle Kontext sehr wichtig, denn er steht in Wechselwirkung mit der persönlichen psychologischen Veranlagung. Basierend auf dem, was wir bis jetzt über psychische Anfälligkeiten wissen, gibt es Möglichkeiten, die Probleme aus einer präventiven Perspektive anzugehen.

Im April startete Karakter gemeinsam mit deutschen Forschern der LVR-Klinik Essen eine Studie zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, um dieser Situation jetzt und in Zukunft besser begegnen zu können. Die Studie untersuchte unter anderem, wie es den Familien zu Hause geht und ob die Kinder unter Ängsten und/oder Depressionen leiden. 
 
Prof. Dr. Wouter Staal ist Professor für klinische Kinder- und Jugendpsychiatrie am Radboudumc und Experte für Autismus an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Leiden. Außerdem ist er Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Wissenszentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seine Forschung ist translational und reicht von genetischer Forschung und Neuroimaging bis hin zu neurokognitiven Studien und Interventionsstudien und hat einen Schwerpunkt auf neurodevelopment disorders. Er setzt sich aktiv für die Verbesserung der Triage in der Primärversorgung ein und plädiert für eine normalisierende Haltung, wonach nur die psychisch hochgradig gefährdeten Kinder eine hochintensive Behandlung erhalten sollten. Als Lehrer ist er an der Ausbildung von Assistenzärzten, Praktikanten und Medizinstudenten beteiligt und schult regelmäßig Pflegekräfte, die in der psychiatrischen Versorgung tätig sind, Lehrer, die in der Sonderpädagogik arbeiten, Allgemeinmediziner und politische Entscheidungsträger. Er kooperiert international mit dem Department of Paediatric Neurology and Neurorehabilitation, dem First Hospital of Jilin University, China und mit der Universität Essen.
 
Prof. Dr. Johannes Hebebrand ist Chefredakteur der European Child and Adolescent Psychiatry (ECAP); Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie; und Ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Essen, Universität Duisburg-Essen in Deutschland. Er ist Co-Autor von Eating Disorders and Obesity in Children and Adolescents. Er erhielt seinen Doktortitel von der Universität Heidelberg und seinen PhD von der Universität Bonn. An der Universität Duisburg-Essen ist die Gruppe von Prof. Hebebrand seit kurzem an internationalen Konsortien beteiligt, um Polygene für komplexe Erkrankungen wie Adipositas, Anorexia nervosa und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zu entdecken. Prof. Hebebrand ist fasziniert von der Forschung an den entgegengesetzten Enden der Körpergewichtsverteilung und von der Beurteilung der Implikationen der neuroendokrinen und genetischen Forschung über Adipositas für Anorexia nervosa. Er hat auch ein starkes Interesse an Adipositas im Frühstadium. Neben seiner Lehrforschung und klinischen Praxis war Prof. Hebebrand Herausgeber des International Journal of Eating Disorders, der European Child and Adolescent Psychiatry und der Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und war Chefredakteur von Obesity Facts, der offiziellen Zeitschrift der European Association for the Study of Obesity. Er hat in zahlreichen Fachzeitschriften veröffentlicht und ist derzeit Chefredakteur der European Child and Adolescent Psychiatry Association. In den Jahren 2008 und 2009 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und gehörte auch dem Vorstand der Deutschen Adipositas-Gesellschaft an.